Im Fall der streng-christlichen Familie, deren Vater in Erzwingungshaft saß, weil er seine schulpflichtigen Kinder nicht zur Schule schickte, kommt Bewegung. Eine lang andauernde Debatte scheint demnächst von der Bildfläche zu verschwinden. Die Familie ist angeblich heute mit einem Wohnwagen Richtung Österreich geflüchtet, wo liberalere Regelungen bezüglich der Schulpflicht gelten. “Homeschooling” ist dort auf Antrag legal (der Antrag kann allerdings auch abgelehnt werden - nach Auskunft der Hamburger Morgenpost ist dies im Jahr 2005 häufiger geschehen). Damit umgehen die Eltern einen drohenden Entzug des Sorgerechts für ihre sechs Kinder.
Wie die WELT zu berichten weiß, gehört die Familie zu einem Netzwerk, das von den USA gesteuert, die weltweite Verbreitung der Glaubensbewegung Homeschooling betreibt. Der von der Anwältin der Familie im Jahr 2000 gegründete Verein “Schulunterricht zu Hause” (Schuzh) ist eine Art Auffangbecken verschiedenster religiöser Schulverweigerer aus ganz Deutschland. Finanziert wird er unter anderem durch Spenden, auch aus Amerika. Sektenbeauftragte beobachten die Bewegung inzwischen, weil religiös motiviertes Homeschooling bundesweit zunimmt. Das Hamburger Abendblatt hatte auch von Kontakten zur Partei Bibeltreuer Christen berichtet.
Das Schönste steht aber noch mal in der WELT: angeblich hat die Familie einen Exklusivvertrag mit dem Fernsehsender RTL und tritt demnächst bei “Stern.TV” zum Thema Homeschooling auf. Also wird hier demnächst kräftig abkassiert. Dafür fehlt in Zukunft allerdings das Kindergeld - denn dies wird im Ausland nicht gezahlt. Bitter für die Familie, die fast ausschließlich vom Kindergeld lebt (Quelle: MoPo).
Die Welt ist schon grausam. Da müssen die Kinder natürlich von den negativen Einflüssen anderer Mitschüler geschützt werden. Eine derartige Ausgrenzung der Kinder durch die Eltern ist unverantwortlich. Ungeachtet der “Flucht” gehen die Prozesse vor den Hamburger Gerichten jedoch weiter (taz Hamburg).
Vielen Dank an bono für den Hinweis, auch auf den Artikel von Spiegel Online.