In der Presse häufen sich in letzter Zeit Beiträge über einen “Maulkorberlass” der Hamburger Universitäts-Präsidentin Frau Auweter-Kurtz. Konkret soll sie den Angestellen und Professoren der Universität untersagt haben, sich in Zukunft gegenüber der Presse zu äußern und Anfragen der Presse zu beantworten. Primär seien Anfragen immer an die Pressestelle der Universität zu verweisen. Aufgrund dieser Ereignisse soll nun auch eine Lehrbeauftragte am Historischen Seminar ihren Job verloren haben, weil sie sich kritisch in der Sendung “Monitor” über die allgemeine Situation von Lehrbeauftragten geäußert hat (Auszug). Da nun auch Spiegel Online und die FAZ (am Donnerstag, den 10.5. in der Printausgabe) sich mit dem Thema beschäftigt haben, wird es einmal Zeit, zu den Presseberichten Stellung zu nehmen.
In dem Artikel von Spiegel Online wird deutlich, dass es um die Kommunikation innerhalb der Universität nicht zum Besten bestellt ist. Das kann man leider auch nur bestätigen. Sicherlich ist auch die externe Kommunikation in Form von professioneller Pressearbeit deutlich verbesserungswürdig (so trat z.B. der Präsident des Bundesverfassungsgerichts an der Universität auf, die Berichterstattung tendierte allerdings gegen Null). Aber was Frau Landfried (Politologin an der Uni Hamburg) in der FAZ veranstaltet und wie Spiegel Online mit dem Thema umgeht, ist nicht wirklich korrekt. Allen Medien wird empfohlen, doch vorerst das Original-Dokument der Präsidentin _richtig_ zu lesen.
Wenn die Universität also endlich hin zu einer professionellen Pressearbeit möchte, dann hat das Uni-Präsidium den richtigen Weg eingeschlagen. Es handelt sich weder um einen “Erlass”, noch um eine “Anweisung”. Vielmehr werden Begriffe wie “bitte” und “in der Regel” verwendet. Selbstverständlich sollen sich Forscher weiterhin zu ihrem Arbeitsbereich äußern können. Aber muss jeder daher gelaufene Hilfswissenschaftler Probleme der Uni mit dem elektronischen Studiensystem “StiNe” in der Presse kommentieren? Soll jeder Angestellte seine Privatmeinung über andere Probleme öffentlich machen, so dass es wie eine offizielle Stellungnahme der Universität aussieht?
In jedem halbwegs organisierten Betrieb läuft es doch ähnlich: wer sich kritisch gegen seinen Arbeitgeber in der Presse äußert, wird abgemahnt.
Hochschulen sind inzwischen wirtschaftliche Unternehen, denen aufgrund diverser Strukturmaßnahmen eine gewisse Professionalität abverlangt wird. Das bedeutet auch, dass nach außen ein einheitliches Auftreten erfolgen muss. Allerdings hat man das wohl bei Spiegel Online und am Politikwissenschaftlichen Institut von Frau Landfried noch nicht richtig verstanden.
Die oben angesprochene Lehrbeauftragte hat laut dem “Hamburg Journal” übrigens ihren Job verloren, weil sie sich bereits vor dem sog. Maulkorberlass mit dem Historischen Seminar überworfen hat. Bereits vor dem Beitrag im “Monitor” gab es ein gestörtes Vertrauensverhältnis. Informativ auch ein Beitrag des NDR-Magazins “ZAPP”.
Wieder einmal: journalistische Beiträge ohne Substanz auf der Suche nach dem nächsten Skandal. Der Presse zugespielt wurde dieser “Skandal” übrigens von einem altbekannten Langzeitstudenten, der nicht das erste Mal durch versuchte Störaktionen in der Presse aufgefallen ist.